2020-01-04

Diderik Michel – Der Wein-Rebell

Aufgrund von Absatzproblemen rufen Winzer in der Westschweiz nach Subventionen. Am Zürichsee hingegen ist eine neue Winzergeneration entstanden, die einiges anders zu machen versucht.

Winzer Diederik Michel hat seit 2014 seinen Weinberg in Küsnacht in Pacht. (Bilder Simon Tanner, NZZ)

Diederik Michel steht am Hang seines Weinbergs und blickt auf die kahlen Weinstöcke, die vor den gediegenen Swimmingpools der benachbarten Villen liegen. «Sehen Sie», sagt er, «mit grossen Maschinen lässt sich hier am Hang nicht arbeiten.» Einmal am Tag geht Michel mit seinen zwei Kindern hier herauf, um den Schafen, die im Winter da weiden, «Grüezi» zu sagen. Der 46-Jährige steht inmitten seiner Weinreben und ist mit dem Rebschnitt beschäftigt. An der Goldküste, wo sich das Weingut Diederik befindet, reihte sich früher ein Weingut an das andere. Ende des 19. Jahrhunderts waren noch mehr als 1900 ha am Zürichsee mit Reben bepflanzt. Heute sind es noch 135 ha. Stattdessen leben hier die besser situierten Einwohner Zürichs.

Gehör beim Bundesrat
Dass Weinbau so reibungslos funktioniert wie hier, ist nicht mehr naturgegeben. In der Westschweiz kam es deshalb unlängst zu Protesten. Die grösste Sorge der Weinbauern ist eine übermächtige Konkurrenz aus dem Ausland. Bundesrat Guy Parmelin, der einst selbst als Winzer im Waadtland tätig war und unter anderem für die Landwirtschaft zuständig ist, hat Verständnis für die Produzenten und sicherte ihnen weitere Subventionen zur Verkaufsförderung zu. Diese betrugen im Jahr 2019 bereits 3,2 Millionen Franken. Das entspricht laut Berechnungen der Denkfabrik Avenir Suisse einer Steigerung von 13 Prozen, seitdem Parmelin Bundesrat ist. Und für das laufende Jahr ist nun eine zusätzliche Werbekampagne geplant. Diese wird je zur Hälfte vom Bund und von den Grossverteilern finanziert. Dennoch kam es Anfang Dezember zu weiteren Demonstrationen der Weinbauern in Bern. Sie fordern eine Überprüfung der Einfuhrzölle.

Zwar verzeichnete die Weinlese 2018 ein Rekordjahr, die Schweizer trinken aber immer weniger Wein – und nicht selten solchen ausländischer Provenienz. Das hat damit zu tun, dass ausländische Hersteller ihre Produkte in der Schweiz oft billiger anbieten als einheimische. Und das wiederum ist auf die geringeren Lohnkosten und die grössere Vertriebskraft zurückzuführen. Zudem können Weine aus dem Ausland bis zu einer Menge von 170 Millionen Litern nahezu zollfrei importiert werden. Die Weinbauern wollen dieses Kontingent nun jedoch auf 100 Millionen Liter begrenzen.

An den Rebbergen von Michels Nachbarn hängen Plakate von Swiss Wine Promotion. Der Verband arbeitet auch an der neuen Werbekampagne zur Sichtbarkeit von Schweizer Weinen bei den Grossverteilern und in Restaurants. Vor allem in der Deutschschweiz erhofft sich der Verband für dieses Jahr eine Wirkung davon.

Schweizer trinken jedes Jahr etwas weniger Wein

Jahr Rebfläche
in ha
Produktion
in Mio. l
Import
in Mio. l
Konsum
Schweiz
in Mio. l


in %
Konsum
Import
in Mio. l


in %
Kons.
Total
in %
2018 14’712 111
178 89,3 +2,76 154,5 -4,9 -2,2
2017 14’748 79 186 87 -2,5 163 -1,1 -1,6
2016 14’780 108 185 89 -9,73 164 0,19 -3,8
2015 14’793 85 188 99 +0.56 165 -2,14 -1,13
2014 14’835 93,4 160 98 -8,1 168 +1,6 -2,2
2013 14’883 83,9 184,3 106,9 +10,2 165,7 -2,6 +2
2012 14’920 100,4 190 97 -3,5 170 -1,5 -2,2
2011 14’920 112 189,5 101,5 -4,52 172,6 -0,8 -2,3
2010 14’942 103 193,9 106,3 +3,2 174 +0,8 +1,7
2009 14’820* 111,35** 190,8 103 -4,54 172,6 +1,3 -0,9
2008 14’841* 107,44** 184,5 107,9 +0,03 170,3 -0,9
-0,5

Die Berechnung des Weinkonsums berücksichtigt die Lagerbestände sämtlicher Betriebe, die der SWK oder einer kantonalen Kontrollstelle unterstellt sind. Bei der Berechnung des Gesamtverbrauchs an Schweizer und ausländischen Weinen wurden die Verarbeitungs- und Exportweine berücksichtigt.

* Für die Berechnung der gesamten Rebfläche der Schweiz wurden nur Rebflächen berücksichtigt, die in der Schweiz gelegen sind, unter Ausschluss der Flächen in Grenzgebieten. Die Rebfläche von Genf umfasst nur Parzellen auf Schweizer Boden.

** Anders als in den Vorjahren ist die Ernte aus den Grenzgebieten in den Zahlen für die Ernte2009 des Kantons Genf nicht enthalten.

(Quelle: Das Weinjahr, Bundesamt für Landwirtschaft)

In Zeiten der Globalisierung wird weltweit fast jede zweite Flasche Wein ausserhalb des Produktionslandes getrunken. In der Schweiz hat das nicht zuletzt mit der Währungskonstellation zu tun: Wegen des starken Frankens werden hiesige Produkte im Ausland kaum nachgefragt. Und am Heimmarkt selbst liegt ihr Anteil bei lediglich 35 Prozent. Viele Schweizer Produzenten möchten deshalb, dass man hierzulande verstärkt auf einheimische Weine setzt, und in der Politik gibt es entsprechende Vorstösse. SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor zum Beispiel forderte jüngst, Schweizer Restaurants gesetzlich vorzuschreiben, dass mindestens die Hälfte der Weine auf der Karte aus der Schweiz stammen sollte. Für Diederik Michel schränkt das aber die wirtschaftliche Freiheit der Gastronomen ein. «Das ist ja wohl ein Witz», sagt er. Er setzt auf seine eigene Kraft. Doch wie schafft er es, profitabel zu arbeiten? Dafür hat Michel vor allem ein eigenes Marketingkonzept entwickelt. Und er sieht die Winzer der Region nicht als Konkurrenten, sondern kooperiert mit ihnen.

Neue Marke, neuer Name
Nachdem Michel 2014 das Weingut in Küsnacht übernommen hatte, erstellte er mit seiner Frau einen Business-Plan. Das Geld für die Investitionen erhielt er von seiner Familie, da ihm keine Bank einen günstigen Kredit geben wollte. Von Vorteil war dabei, dass er von seinem Vorgänger keine Kundenkartei übernehmen musste. Das erlaubte es, eine neue Marke zu entwickeln, und das Weingut erhielt einen anderen Namen. Anders als bei alteingesessenen Produzenten trägt es seinen Vornamen und heisst «Weingut Diederik». Obwohl Michel immer noch die gleichen Trauben kultiviert wie der frühere Winzer, kommt sein Wein anders daher. Er wolle Weine herstellen, bei denen man nicht viel erklären müsse, die einen «guten Zug haben», sagt er.

Was er produziert, sind zum Grossteil Apéro-Weine. Sein Räuschling und sein Pinot noir passen zum Essen. Die Etiketten sind schlicht und modern, hierfür arbeitet Michel mit einer Marketingagentur zusammen. Sie sind alle einfarbig, wobei das Etikett des Räuschlings in einem hellen Grün erscheint. In Dunkelgrün stehen auf dem Aufdruck lediglich die Initialen des Weinguts, «Räuschling», «Küsnacht» und der Jahrgang. Zum Design gehört auch die eingeschränkte Auswahl der Weine. Im Angebot führt Michel drei Weiss- und drei Rotweine. «Zwischen diesen kann sich jeder entscheiden», sagt er. Eine grössere Auswahl verwirre die Kunden bloss. Die Weine kosten zwischen 16 und 27 Franken pro Flasche. «Unter den bestehenden Bedingungen können nur relativ teure Weine hergestellt werden», sagt er. Und die Kunden sind offenbar bereit, dafür zu bezahlen. Die meisten Flaschen verkauft Michel an eine private Klientel. Rund ein Drittel setzt er in der Gastronomie ab, in Lokalen an der Goldküste, aber auch in Zürich. Bloss fünf Prozent gehen in den Handel.



Jeden Winter schneidet Michel seine Reben zurück.

Anders als viele Winzer stammt Michel nicht aus einer Familie mit Weinbautradition. Vielleicht musste er sich gerade deshalb genau überlegen, wie er die Produktion unter eigener Marke angehen will. Seine Eltern stammen aus den Niederlanden, er selber wurde auf der linken Seite des Zürichsees geboren. Nach dem Studium machte Michel zunächst ein Praktikum in Australien, später arbeitete er auf verschiedenen Weingütern in Südfrankreich und am Zürichsee. Er kennt also die Produktionsbedingungen ausländischer Güter. Dann kam das Angebot, das Gut in Küsnacht zu übernehmen. Zunächst lehnte er ab. Damals war der Betrieb in die Bereiche Traubenherstellung einerseits und Weinproduktion mit Handel anderseits aufgeteilt. Von der reinen Traubenproduktion – von hier kam das Angebot zunächst – kann heute am Zürichsee kaum noch jemand leben. Als sich herausstellte, dass er auch die Weinproduktion mit dem Handel übernehmen könne, schlug er ein. «Darin sah ich einen Schatz», sagt der Winzer.

Im Jahr 2018 hat Michel rund 30’000 Flaschen Wein hergestellt, eine für seine Verhältnisse grosse Menge. Paradoxerweise war das Jahr deshalb so ertragreich, weil im Jahr zuvor rund 70 Prozent der Ernte aufgrund von Frost verloren gegangen waren. Rebstöcke speichern überschüssige Energie, was im darauffolgenden Jahr zum Tragen kommt. «Auch 2019 hatten wir eine gute Ernte», sagt Michel, wenngleich sie hinter jener von 2018 zurückblieb. Seit 2014 hat Michel die 3,8 Hektaren Rebfläche in Küsnacht in Pacht. Verglichen mit den Anbauflächen von Westschweizer Winzern handelt es sich somit um ein kleines Gut, an der Goldküste ist es hingegen die übliche Grösse.

Degustationen und WG-Partys
Zum Konzept gehören auch Degustationen im Hofladen. «Der Kontakt mit den Kunden ist mein Alleinstellungsmerkmal», sagt Michel. Die Konkurrenz sieht Michel, wenn überhaupt, im Ausland. Die protektionistischen Forderungen der Westschweizer Kollegen findet er insofern überzogen, als Schweizer Weinbauern die Nachfrage in der Schweiz gar nicht befriedigen könnten. Um die These der übergrossen ausländischen Konkurrenz zu überprüfen, lohnt es sich, in die Regale der Detailhändler zu schauen. Beim Grossverteiler Coop etwa stammt rund ein Drittel der Weine aus der Schweiz, bei den Weissweinen sind es sogar zwei von drei Flaschen. Beim Verkauf einheimischen Weins verzeichnet Coop – trotz rückgängigem Konsum – ein leichtes Wachstum. Dem Realitätscheck halten die Forderungen der Subventionsbefürworter offenbar nicht stand.

Zugute kommt Michel auch, dass er mit drei Kollegen von der Goldküste eine «Weinbauer-WG» gegründet hat. Begonnen hat das Projekt, als auch beim benachbarten Weingut Schwarzenbach in Meilen ein Generationenwechsel anstand. Gemeinsam mit seiner Partnerin hat Alain Schwarzenbach das Weingut im Jahr 2016 von seinem Vater übernommen. Die Idee des Zusammenschlusses kam ihm bei der Planung eines neuen Kellergewölbes. Schwarzenbach investierte in eine etwas grössere Abfüllmaschine, die er heute mit Michel und zwei weiteren Kollegen gemeinsam benutzt. Dass sich die jungen Winzer zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen haben, bietet für alle Kosten- und Qualitätsvorteile. Nun füllen sie keinen Wein mehr ab, bevor sie nicht alle den Jahrgang probiert haben.

Im Winter weiden die Schäfchen eines befreundeten Hirten auf dem Rebberg.

Auch Schwarzenbach hat die Aufmachung seiner Weine modernisiert. Trotzdem kommen sie schwerer daher als jene von Michel. Seine Weine findet man auf den Karten von Schweizer Gourmet-Restaurants. «Diederik ist mit Sicherheit der Modernste von uns», sagt Schwarzenbach. Gemeinsam bieten sie auch Veranstaltungen an. So laden sie Kunden etwa zu WG-Partys ein, so dass diese die Weine von gleich vier Gütern der Goldküste probieren können.

Eine Senkung des Importkontingents für ausländische Weine hält selbst Marco Romano, Präsident des Branchenverbandes Schweizer Reben und Weine, nicht für die Lösung. Die Subventionen hingegen weiss er zu schätzen. «Besonders ist, dass die Grosshändler die Werbekampagne zur Hälfte mittragen», sagt Romano. Leicht in Vergessenheit gerate, dass es sich bei den meisten Weinbauern nicht um Firmen handle, die einfach ein oder zwei Mitarbeiter fürs Marketing einstellen könnten. Dafür brauche es gemeinsame Projekte – mit Hilfe der Politik.

«Der hier ist etwas sanfter im Abgang», sagt ein interessierter Käufer aus Winterthur auf einer der WG-Partys. Michel holt sich ein frisches Glas und probiert einen Schluck Riesling-Sylvaner seines Kollegen vom Nachbarstand. «Stimmt», sagt er. Früher habe er vor allem ausländische Weine getrunken, erzählt der Kunde weiter. Aber die Qualität des Schweizer Angebots habe sich stark verbessert. Warum solle er für einen Bordeaux 100 Franken bezahlen, wenn er hier einen Wein gleicher Qualität günstiger erhalte? Den Weinbau Schwarzenbach kenne er schon lange, und jetzt habe er Gelegenheit, auch die Produkte anderer Weinbauern der Goldküste auszuprobieren.

(Quelle: NZZ, Olga Scheer)


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Kommentar

Die Situation beim Schweizer Wein
Die Rebfläche der Schweiz hat in den vergangenen zehn Jahren um 250 Hektaren oder 1,66 Prozent abgenommen. Im gleichen Zeitraum sank die Produktion um etwas mehr als zehn Prozent. Rein rechnerisch kann daraus geschlossen werden, dass die Qualität der Schweizer Weine um 8,8 Prozentpunkte gestiegen ist. In der Tat wurden die «einfachen» Weine nur ein bisschen besser. Bei den Top-Crus konnte die Qualität enorm gesteigert werden. «La Suisse est un pays de paradoxes. Elle produit les mauvais vins les plus chers au monde. Mais ses meilleurs crus offrent un rapport qualité-prix difficilement égalable», schreibt Pierre-Emmanuel Buss in seinem Buch «Guide des meilleurs vignerons de Suisse».

Dass der Konsum zwischen 2008 und 2018 um 17,32 Prozent abgenommen hat ist ebenfalls ein statistischer Wert. Zieht man das Minus von 10,5 Prozent bei der Produktion ab, trinken die Schweizer nämlich nur 6,73 Prozent weniger heimische Weine. Ausländische Gewächse haben derweil Marktanteile von 9,27 Prozent verloren.

Noch etwas zur Statistik: Die grosse Ernte des Jahrgangs 2018 wird erst in den Statistiken 2019 bis 2021 wirksam. Die Produktion von 111 Millionen Litern kann nicht mit dem Konsum von 89,3 Millionen Litern verglichen werden. Denn der erste Weisswein des Jahrgangs, der Neuchâtel Non Filtré kam am dritten Mittwoch des Jahres 2019 auf den Markt. Dann folgten andere Weissweine und erste Rotweine. Weine die in Barriques reifen, gelangen erst 2020 in den Verkauf, einige Spezialitäten erst im 2021. 

Kein Grund zur Panik. Dank zeitgemässen Keltertechniken gewinnen die Weine mit zunehmender Reife. Während ich am 16. Januar diese Zeilen schrieb, genoss ich einen Chasselas AOC Genève des Jahrgangs 2012. Die Flasche kostete 8.50 Franken. Ich öffnete sie am 3. Januar, verkostete ein erstes Glas, verschraubte und stellte sie in den Kühlschrank. Seither genoss ich drei weitere Gläser ohne den geringsten Qualitätsverlust. Das können die meisten Schweizer Weine.

Der Weinkonsum sinkt. Das schleckt keine Geiss weg. Gründe dafür gibt es viele: die 0,5 Promille, das Rauchverbot in Gaststätten, stressige Business-Lunches zu denen nur Wasser getrunken wird sowie ein neues Gesundheits- und Körperbewusstsein. Das «Cüpli» Prosecco, das man sich da und dort genehmigt, ist ja kein Wein! Vielleicht liegt es jedoch auch an der Tradition, den Etiketten oder der Verpackung.

Welcher Jungendliche hat heute noch ein Sackmesser in der Hosentasche? Traditionelle Korkverschlüsse sind einfach weniger partytauglich als Schrauber oder Kronkorken.

Die Frakturschrift – die Feder- und Tuscheschrift aus den Büchern der Urgrosseltern – auf Burgunder-Etiketten bürgen in der USA für Ursprung und Qualität. Mit modernen Etiektten wären die Weine nicht verkäuflich. Auf der anderen Seite sind «Kung Fu Girl» und «Boom», der mit der Bombe auf dem Label, vom Amerikaner John Smith Kult.  Im Etikettendesign steckt grosses Potenzial.

Zum Wein: Die Rebsorte Chasselas hat ihren Ursprung am Genfersee. Aus ihr gekelterte Weine sind grossarti. Nur was die Romands lieben, muss den Deutschschweizern noch lange nicht schmecken. Unter dem Einfluss von deutschem Riesling und Grünem Veltliner aus Österreich sind dort Weine mit mehr Säure gefragt. Würden die Romands ihren Markt wirklich kennen, könnten Sie für die Deutschschweizer einen Teil ihres Chasselas ohne biologischen Säureabbau abfüllen. Solche Weine gibt es und sie finden hüben und drüben Anklang.

Das müsste dann entsprechend deklariert werden, was ein heisses Eisen ist. Denn Wein ist ein Lebensmittel, das in Flaschen verkauft wird. Ein Lebensmittel ist auch die in Plastik eingeschweisste Bratwurst. Während für die Wurst ein Beipackzettel nötig ist, muss auf der Etikette lediglich der Alkoholgehalt – auf 0,5 % Vol. genau – und der Hinweis, dass das Produkt Sulfite enthält, deklariert werden. Auf Sulfite, schweflige Säure, reagiert einer von 1000 Weingeniessern! Viele Weinliebhaber würden sich jedoch für die Zusammensetzung interessieren. Ein gutes Beispiel liefert Claude Chiquet aus Ormalingen. Er deklaritert die Rebsorten, deren Erntedatum und die entsprechenden Öchslegrade, die Gesamtsäure, den Restzucker und Alkoholgehalt sowie die Verweildauer im Holz.

Eine Klassifiaktion wie in Frankreich mit ihren «vins de pays», «IGT» und «AOC», Deutschland mit «Gutswein», «Ortswein» und «Lagenwein» oder Österreich mit «DAC Klassik» und «DAC Reserve» sind in der föderalistischen Schweiz nur schwer umsetzbar, wären für die Konsumente aber äusserst hilfreich.

Gabriel Tinguely
16. Janaur 2020