2017-12-12

Baumann hat Zeit fĂĽr Wein

In die Politik gekommen ist Jakob Schebi Baumann verhältnismässig spät. Auf Ende Jahr tritt er zurück – Zeit für einen Rückblick.

Ein verlockender, adventlicher Duft durchzieht den Degustationsraum in Villigen. «Ich bin am Glühweinkochen», erklärt Jakob Schebi Baumann. In der kommenden Zeit wird er dazu – und natürlich in erster Linie für seinen Weinbaubetrieb – mehr Zeit haben. Auf Ende Jahr tritt er, nach 16 Jahren im Gemeinderat, davon 15 Jahre und 2 Monate als Gemeindeammann, von seinem Amt zurück.

«Ich habe 120 Aren Reben und mache alles selber.» Künftig hat Jakob Schreib Baumann mehr Zeit für seinen Weinbaubetrieb. (Bild zVg)

An der Gemeindeversammlung ist er bereits gebührend verabschiedet worden. Auf die Frage nach der Befindlichkeit angesichts dieses doch einschneidenden Wechsels stellt er fest: «Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits freue ich mich. Anderseits trauere ich den vielen guten Kontakten nach, die mit diesem Amt verbunden sind.»

Er könne nicht sagen, dass er politisch vorbelastet sei, sagt Schebi Baumann. «Aber ich gehöre zu jenen, die sich gerne für die Gemeinschaft einsetzen. Man wird nicht Ammann, um reich zu werden. Man muss Freude an der Gemeinde haben.»

Prägendes Welschlandjahr
Die Freude an seinem Dorf Villigen wird bei Schebi Baumann deutlich spürbar. «Ich bin ein Eingeborener», betont er. «Ich bin zwar mit 16 Jahren ins Welschland gegangen, auf einen Weinbaubetrieb in der La Côte und habe mich sehr gut eingelebt. Die dortige Mentalität hat mir sehr gut gefallen. Wobei auch dort hart gearbeitet wird. Beruflich habe ich sehr viel profitiert.» Seine Affinität zum Welschland kommt denn auch im Namen Schebi zum Ausdruck, der seinen Initialen J. B. in französischer Sprechweise entspricht und zum Markenzeichen geworden ist.

Landwirt, räumt er ein, sei allerdings nicht unbedingt sein Traumberuf gewesen: «Ich hätte gerne einen technischen Beruf – am liebsten Elektromechaniker – erlernt und später ein Technikum besucht. Mein Traum war es, in die Entwicklungshilfe zu gehen – trotz meiner Furcht vor Schlangen. Es war damals aber schwierig, eine Lehrstelle zu finden. Daher habe ich eine 180-Grad-Wende gemacht.» Er wurde Landwirt und übernahm später den väterlichen Betrieb.

Steile Karriere
In die Politik gekommen ist Schebi Baumann verhältnismässig spät. «Ich habe mich beim Turnverein Villigen engagiert, den ich lange präsidiert habe», sagt er. «Mit 41 Jahren habe ich mich aber neu orientiert. Damals, 2001, war die Situation in Villigen sehr interessant (unter anderem hatten im Sommer 2001 die Gemeindeversammlungen von Villigen und Stilli den Gemeinderäten das Mandat für Fusionsverhandlungen erteilt, Red.). Ich habe mich als Gemeinderat zur Verfügung gestellt und bin in einer Kampfwahl gewählt worden.» Im gleichen Jahr kandidierte er auf der Grossrats-Liste der FDP und wurde auf Anhieb erster Ersatzmann. Das Amt des Grossrats hat er jedoch nie ausgeübt.

«Als Gemeinderat hatte ich einen schlechten Start», erinnert sich Schebi Baumann. «An der ersten Sitzung hatte ich Fieber. An der zweiten Sitzung konnte ich wegen einer heftigen Lungenentzündung nicht teilnehmen. Insgesamt habe ich in den 16 Jahren aber bloss an zwei Sitzungen gefehlt.» Bereits nach zehn Monaten als Gemeinderat wurde er 2002, als Nachfolger von Markus Leimbacher, Gemeindeammann.

Bedeutende Vorhaben
«Das Highlight war sicher der Zusammenschluss von Villigen und Stilli», stellt er beim Rückblick auf seine Amtszeit fest. Dass der Zusammenschluss, der von seinem Amtsvorgänger aufgegleist worden war, zum Erfolg wurde, sei auch darauf zurückzuführen, dass man sich immer auf Augenhöhe begegnet sei und den Partner stets mit Respekt behandelt habe, betont er. Das sei von der Bevölkerung geschätzt worden.

Freude hat Schebi Baumann aber auch am Umbau der Trotte durch die Ortsbürgergemeinde sowie am neuen Werkhof und der Umgestaltung des Gebäudeensembles im Winkel. Selbstkritisch stellt er zu diesem «unendlichen Werk», wie er sagt, fest: «Ich habe ja anfänglich auch zu denen gehört, die gesagt haben, dass man alles abreissen sollte. Jetzt ist aber etwas Schönes entstanden.» Und auch der Park Innovaare, der aus einer Idee des Villiger Zukunftslabors heraus entstanden ist und inzwischen nationalen Status hat, ist in Schebi Baumanns Amtszeit vorangekommen. «Man rechnet mit der Baubewilligung im März 2018», sagt er.

Auf die obligate, wenn auch müssige Frage, ob er sich denn wieder für das Amt des Gemeindeammanns zur Verfügung stellen würde, entgegnet Schebi Baumann ohne zu zögern: «Ja. Und ich würde nicht viel anders machen. Ich habe das Amt mit Freude ausgeübt. Ich habe dabei die Erfahrung gemacht, dass Gradlinigkeit geschätzt wird. Es wird auch geschätzt, wenn man die Leute so behandelt, wie man selber gerne behandelt würde. Ich habe aber auch die guten Kontakte und den Umgang mit den Leuten aus anderen Gemeinden und vom Kanton sehr geschätzt. Ich habe viel gelernt. Und ich habe Villigen – und die Zusammenhänge im Dorf – noch besser kennen gelernt, als ich sie schon gekannt habe.»

Kaum Langeweile
Und jetzt, die viele freie Zeit? «Ich werde etwas mehr leben und weniger hetzen», betont er. «Meine Frau Vroni hat mir zwar stets den Rücken freigehalten. Mein Betrieb ist aber immer zu kurz gekommen. Die Gemeinde hatte stets Priorität.»

Künftig wird er also mehr Zeit für seinen Weinbaubetrieb haben. «Ich habe 120 Aren Reben und mache alles selber», erklärt er. Als einer der vier Vindonissa-Winzer betreibt er zudem in seinem Museums-Rebberg Weinbau auf römische Art und keltert Römer-Wy, der in Tonflaschen abgefüllt wird. «Ich habe Freude daran und werde da künftig wohl etwas mehr machen», verrät er. Daneben betreibt er Ackerbau. Unter anderem baut er nach IP-Suisse-Richtlinien Hafer an, der für einen Grossverteiler zu Bio-Haferflöckli verarbeitet wird. Ganz lassen kann Schebi Baumann aber auch das Engagement für die Öffentlichkeit nicht. «Ich bin bei drei Meliorationsgenossenschaften Präsident der Ausführungskommission», erklärt er. «Das ist eine sehr interessante Aufgabe, die sich meist über einen langen Zeitraum erstreckt.»

(Quelle: Aargauer Zeitung)


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