2011-07-27

Langohrige Arbeiter im Walliser Rebberg

Der Walliser Weinbauer Philippe Dubuis hat für seinen Rebberg zwei neue Arbeiter engagiert. Sie heissen Gaïa und Hadès und sind zwei Esel, die Dubuis mithelfen sollen, sein Konzept des biodynamischen Weinbaus in die Tat umzusetzen.

Dubuis hatte in den neunziger Jahren als gewöhnlicher Winzer angefangen. Als er Probleme mit einigen seiner Reben hatte und ihm selbst erfahrene Fachleute nicht weiterhelfen konnten, wandte er sich dem biodynamischen Weinbau zu. Nach und nach wandelte er fünf seines zehn Hektaren grossen Anbaugebietes in der Nähe von Sitten auf diese Produktionstechnik um.
 

Die Idee, Esel in seinem Rebberg arbeiten zu lassen, reifte in ihm während sieben bis acht Jahren. Die beiden im Januar dieses Jahres geborenen Tiere, ein Geschwisterpaar, befinden sich derzeit im französischen Weinbaugebiet Languedoc-Roussillon in der Ausbildung. Gaïa und Hadès sollen im nächsten März im Wallis ihre Arbeit aufnehmen.
 

Umweltfreundlich und gutes Marketing
Im Rahmen ihrer Lehrzeit werden sie langsam daran gewöhnt, Lasten zu tragen oder zu ziehen. Man müsse sorgfältig beginnen, denn ein Esel sei erst ab einem Alter von 15 bis 15 Monaten voll ausgewachsen, sagt Dubuis. Im Weinberg ersetzen die Tiere motorisierte Fahrzeuge. Mit entsprechenden Geräten im Schleppzug werden sie für die Bodenbearbeitung eingesetzt.
 

Die tägliche Arbeitszeit der beiden pelzigen, langohrigen Arbeiter beträgt sechs Stunden, jeweils maximal zwei Stunden am Stück. Ein arbeitsbereiter Esel kostet rund 3000 Franken. Dazu kommen jährlich rund 6000 Franken Kosten für den Unterhalt für beide Tiere, wie Dubuis vorrechnet. Die Tiere sollen aber nicht nur für einen umweltfreundlichen Weinbau sorgen, sondern sind auch Teil der Marketingstrategie von Dubuis.

Einklang von Mensch und Natur
Die Philosophie des biodynamischen Weinbaus besteht darin, im Einklang zwischen Mensch und Natur höchste Qualität zu erreichen. Statt Technik und Chemie seien vom Winzer besonderes Fachwissen, ein hohes Mass an Intuition und intensive Erfahrung im Weinberg sowie im Keller gefragt, heisst es auf einer speziellen Webseite.
 

Für den Winzer bedeutet diese Art des Weinbaus einen erheblichen Mehraufwand. Die Erträge sind deutlich unter denjenigen von konventionell arbeitenden Winzern. Im Durchschnitt liegt der Hektarertrag um 50 bis 70 Prozent unter dem eines konventionell, mit Kunstdünger arbeitenden Betriebes.

Quelle: sda


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