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Gwäss

Herkunft

Gouais oder Gwäss, wie die Rebe im Wallis heisst, gehört zu den ältesten Rebsorten der Vitis vinifera Familie. Zusammen mit der Pinot Noir ist sie Urahnin einiger der bedeutendsten Rebsorten, die heute in Europa angebaut werden.
Gouais war im Mittelalter in Zentral- und Nordost-Frankreich, besonders in der Ile-de-France und der Champagne, weit verbreitet, wo aus ihr einfache Weissweine gekeltert wurden. Die Rebe war aber nie besonders geschätzt. Aufgrund der mässigen Qualität der erzeugten Weine ist sie aus den Weinbergen Frankreichs fast völlig verschwunden. In Lothringen wurden bereits 1598 Rodungen existierender Rebflächen angeordnet. Heute gibt es in Frankreich, Deutschland und Australien nur mehr kleine Bestände. Durch den hohen Säureanteil wurde die Rebe früher gerne am Rande von Weingärten ausgesetzt, um die Leute vom Diebstahl der Trauben abzuhalten.
Mittels DNA-Analysen in Montpellier durch den französischen Ampelographen Jean-Michel Boursiquot hat sich herausgestellt, dass Gouais Blanc und Weisser Heunisch  zwei Klone derselben Rebsorte sind (Ein Beitrag zum Heunisch steht ganz unten). Man könnte die Gouais Blanc als Grüner Heunisch mit etwas geringere Qualität als Weisser Heunisch bezeichnen. Es gibt auch eine graubeerige Spielart namens Gouais Gris.
Genetische Untersuchungen von 322 Rebsorten im Jahr 1998 haben ergeben, dass die Sorten Aligoté, Aubin Vert, Auxerrois, Bachet Noir, Beaunoir, Chardonnay, Dameron, Gamay, Knipperlé, Melon de Bourgogne, Peurion, Romorantin, Roublot und Sacy ähnlich wie auch der Gamay Blanc Gloriod alle aus spontanen Kreuzungen zwischen Pinot und Gouais Blanc entstanden.


Verbreitung

Im 16. Jahrhundert gelangte die Sorte in die Schweiz, wo sie heute noch unter der Bezeichnung Gwäss im Oberwallis angebaut wird. Kleine Anbauflächen gibt es nach wie vor in Frankreich und auch in Australien.


Eigenschaften

Gouais treibt im Frühjahr spät aus. Die empfindlichen Blüten entgehen daher meist den Frühjahrsfrösten. Sie ist enorm ertragsstark.


Weintyp

Der Gwäss ist ein sehr säurebetonter Wein und wird als einfacher Durstlöscher oder als Verschnittwein verwendet – aber auch als «Allerweltsmedizin».

Es heisst, die Winzer hätten Gwäss-Stöcke früher nur am Rand ihrer Parzellen angepflanzt, damit die überaus sauren Beeren die Leute vom Klauen der guten Trauben abhielten.


Synonyme

Blanc de Serres, Boarde, Bouillan, Bouilleaud, Bouillenc, Colle, Enfariné Blanc, Figuier, Foirard Blanc, Gau, Goe, Goet, Gohet, Goix, Got, Gouai, Gouais, Gouche, Goué, Gouest, Gouet, Gouillaud, Gouge, Gouget Blanc, Gros Blanc, Gueuche Blanc, Gwäss, Issol, Lombard Blanc, Mendic, Moreau Blanc, Nargouet, Pendrillart Blanc, Perlé Gouais, Plant de Saint-Rémy, Plant de Séchex, Roussaou, Roux


Heunisch

Heunisch war bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts eine in Mitteleuropa weit verbreitete und wichtige Rebsorte, die als Elternteil vieler unserer heutigen Qualitätsrebsorten erscheint. Die Sorte bringt grosse Beeren mit dicker Schale hervor und existiert in einer weissen und roten Variante. Die grossen Beeren lieferten bei vollem Ausreifen durchaus akzeptable Qualitäten. Heunisch zeichnet sich durch hohe Ertragsmengen aus und ist durch einen späten Austrieb vergleichsweise ertragssicher in Jahren mit spätem Frost. Genanalysen zeigen, dass der Heunisch in Mitteleuropa so verbreitet war, dass mindestens 75 der heute bekannten Rebsorten aus ihm hervorgegangen sind. Durch Kreuzung mit der Burgundertraube oder Vitis vinifera silvestris entstanden Sorten wie Chardonnay oder Riesling.
Seit dem Hochmittelalter ist der Heunisch in den deutschen Anbaugebieten weit verbreitet. Die Streuung von Nordost- und Westfrankreich über die Schweiz, Südwestdeutschland bis Osteuropa ist durch die Namenkunde belegt. In französischen Quellen wird der Heunisch seit dem 13. Jahrhundert Gouais Blanc genannt. Philippe de Beaumanoir erwähnt 1283 den roten Heunisch als eine einfache Rebsorte, für die man beim Verkauf nur die Hälfte des Grauburgunders erhält. Als Gwäss wird die französische Bezeichnung in der deutschsprachigen Schweiz entlehnt. Weit verbreitet war der Heunisch in Ost- und Südosteuropa und lieferte hier gute bis sehr gute Qualitäten. In Siebenbürgen wurde aus ihm zum Beispiel der berühmte Cotnari erzeugt.
Der Name Heunisch wird oft mit der Bezeichnung «hunnisch», «huntsch» oder «hünsch» in Verbindung gebracht. Während des Hoch- und Spätmittelalters unterschied man in den deutschen Anbaugebieten zwischen hunnischen und fränkischen Reben. Die Interpretation dieser Bezeichnung beschäftigt die Forschung seit langem. Fritz Schumann spricht sogar vom «grossen Weinrätsel des Mittelalters». Zunächst wurde «hunnisch» oder «heunisch» von den Hunnen hergeleitet. Gemeint ist jedoch nicht das Reitervolk der Völkerwanderungszeit, sondern das Volk der Ungarn und ihr Siedlungsgebiet in der pannonischen Ebene, dessen Ausdehnung im Mittelalter wesentlich grösser war als der heutige Staat Ungarn. Philip Jacob Sachs schreibt 1661 in seiner Ampelographie, der Heunisch sei zu Beginn des 10. Jahrhunderts von den Hunnen oder den Ungarn während ihrer Raubzüge nach Deutschland gebracht worden. Im isidorischen Glossar Summarium Heinrici taucht die Bezeichnung huniscdrubo auf. Der Text des Isidortext war verderbt. Balanite wurde fälschlich balatine geschrieben, was Heinrich als grosse Trauben übersetzte. Dass sich der ursprüngliche isidorische Begriff balanin auf die Grösse von Eicheln bezog und von Heinrich nicht verstanden wurde, ist in diesem Zusammenhang nebensächlich. Aufschlussreich ist vielmehr, dass Heinrich die grossen Trauben mit dem Balaton, dem Plattensee, in Verbindung brachte und entsprechend als huniscdrubo übersetzte. Ihm dürfte somit eine aus Ungarn stammende Rebsorte mit grossen Trauben bekannt gewesen sein, die offenbar am Plattensee angebaut wurde.
Das Begriffspaar hunnisch und fränkisch umreisst nicht nur heute schwer fassbare Rebsortenunterschiede, sondern auch Qualitätsunterschiede. Hildegard von Bingen stellt in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts in ihrer Physica fest, der fränkische Wein sei ein starker Wein, der mit Wasser vermischt werden müsse, wohingegen der hunnische von Natur aus wässrig sei und nicht verdünnt werden müsse.
Wie Dr. Regner von der Weinbauschule Klosterneuburg ausführt, ist der Heunisch eher als Sortenfamilie zu sehen denn als Rebsorte im heutigen Sinn. Genetisch ist auch die Abstammung des Riesling vom Heunisch – der andere Elternteil ist ein Traminer-Klon – bewiesen, ebenso wie Chardonnay, Auxerrois und Melon de Bourgogne Kreuzungen mit dem Burgunder sind.
Der Heunisch kann mit Traminer und Burgunder als Stammsorte der modernen mitteleuropäischen Rebsorten bezeichnet werden.
Bedauerlicherweise sind heute nur äusserst geringe Restbestände des Heunisch vorhanden - unter anderem in Kroatien, Rumänien, Slowenien und der Urkaine. Heute wird die Heunisch-Rebe gezielt vermehrt, so unter anderem vom Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof in Siebeldingen.

Quelle: Wikipedia


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