Dunkelfelder


Herkunft

Die blaue Rebsorte Dunkelfelder ist eine Kreuzung zwischen Blauer Portugieser und Färbertraube (Teinturier du Cher). Die Neuzüchtung erfolgte bereits anfangs des 20. Jahrnunderts durch Gustabv Adolf Fröhlich (1847-1912). Über die Züchtungen Gustav Adolf Froelichs aus Edenkoben sind keine Unterlagen erhalten geblieben.

Viele Jahzehnte bleib die Sorte Dunkelfelder unbeachtet und wurde unter der Zuchtnummer Froelich V.4.4. in verschiedenen Rebsortimenten angebaut. In den 1930er-Jahren wurde sie in der Forschungsanstalt Geisenheim ampelographisch bearbeitet und erhielt von Dr. Helmut Becker (1927-1990) den Namen Dunkelfelder, mit dem er auf die unbekannte Herkunft und die dunkle Farbe anspielte. Sie überdauerte den 2. Weltkrieg im Scheu-Sortiment der Rebenzüchtungsanstalt in Alzey. Vor dem Ausbauen 1948 wurden etwa 300 alte Sorten vom Reblauskommissar Hermann Conrad vermehrt und von Fritz Uhl in der Rebveredlungsanstalt Rhodt angepflanzt. Von den dortigen Stöcken 276a und b stammen die Vermehrungen in Neustadt und Geisenheim.

Die Rebsorte gehört zur Familie der Färbertrauben. Seit dem 14. Februar 1980 besteht für die Dunkelfelder der Sortenschutz.


Verbreitung

In Deutschland wird die Sorte häufig zur Farbunterstützung als Deckwein in Cuvées eingesetzt. Dunkelfelder wird erst seit Ende der achtziger Jahre als Rebsorte für eigenständigen Rotwein angepflanzt. Insofern sind die Flächen noch klein und liegen derzeit hauptsächlich in Baden, in der Pfalz und in Rheinhessen. Die Tendenz ist aber steigend, denn das Potenzial dieser Sorte wird zunehmend erkannt und geschätzt.

Kleine Bestände sind auch in der Schweiz und im Süden Englands registriert.


Eigenschaften

In der Ampelographie wird der Habitus folgendermassen beschrieben:
Die Triebspitze ist offen. Sie ist dichtwollig bis filzig behaart.

Die mittelgrossen Blätter sind fünflappig und mitteltief gebuchtet. Die Stielbucht ist V-förmig offen bis berührend. Das Blatt ist grob gezähnt. Die Blattoberfläche (auch Spreite genannt) ist dunkelgrün gefärbt. Ab dem Monat August verfärbt sich das Blatt fleckig rot.

Die kegelförmige Traube ist mittelgross, breit und mitteldichtbeerig. Die schwachovalen Beeren sind von blauschwarzer Farbe. Die Beere ist beduftet und von neutralem bis leicht säuerlichem Geschmack.

Der Dunkelfelder kann ca. 15–20 Tage nach dem Gutedel geerntet werden. Die Rebsorte treibt sehr früh aus und ist somit empfindlich gegen eventuelle späte Frühjahrsfröste. Aufgrund seiner guten Holzreife ist die Winterfrosthärte des Dunkelfelder ausreichend gut und damit besser als die des Blauen Portugieser.
Die Reben sind wenig anspruchsvoll, was die Bodenbeschaffenheit betrifft, und liefern gute Erträge. Dunkelfelder ist empfindlich gegen Frost, Trockenheit und Pilzkrankheiten wie Peronospora. Zudem neigt sich recht schnell zur Rohfäule. Im Falle einer Infektion mit der durch Fadenwürmer übertragenen Reisigkrankheit ist der Ernteausfall stärker als im Mittel verglichen mit anderen Rebsorten.


Weintyp

Der Wein aus Dunkelfelder hat eine schwarzrote Farbausprägung und einen körperreichen und nachhaltigen Geschmack. Die Säureausprägung ist eher mässig, was manchem Verbraucher entgegenkommt. Mit dem hohen Farbstoffgehalt geht auch ein hoher Gerbstoffanteil einher. Aufgrund seiner Charakteristik eignet er sich auch zum Ausbau in Eichenholzfässern. Bei kurzer Maischegärung können Roséweine entstehen.

Wie alle kräftigen Rotweine ist auch der Dunkelfelder eine gute Begleitung für Wildgerichte und Rinderbraten sowie an kalten Speisen, für kräftig gewürzten Schinken Salami und reifen Käse. Barrique ausgebaute Weine können auch gut solo getrunken werden.


Synonyme

Froelich V.4.4, Froelich V 4, Purpur


In der Schweiz wird Dunkelfelder in den Kantonen Zürich, Bern, Schwyz, Solothurn, Basel Landschaft, Schaffhausen, St. Gallen, Graubünden, Aargau, Thurgau, Freiburg, Waadt, Wallis und Genf angebaut.


Nomenklatur


Die Terminologie Interspezifische Sorten ist nicht nur nicht mehr aktuell, sondern wurde durch die EU-Gesetzgebung sogar verboten, denn Prof. Dr. Volker Jörger hat für die neue EU-Gesetzgebung vor ca. 4 Jahren eine neue klare Definition pilzwiderstandsfähiger Rebsorten abgegeben und seit da wurde beschlossen, dass angemeldete PIWI-Rebsorten bei über 96% Vitis vinifera Genmaterial und einem Vitis vinifera Habitus als Vitis vinifera gilt und die Bezeichnung Interspezifisch wurde diesbezüglich verboten.

Im Gegenteil ist es EU-weit sogar so, dass mittelfristig, wegen dem CO2-Ausstoss, welcher bis 2020 halbiert werden muss im Rebbau, heute alle Forschungsinstitutionen vernetzt die traditionellen Rebsorten mit PIWI's kreuzen müssen, um den Spritzmittelbedarf und den CO2-Verbrauch zu drosseln. Einzig Frankreich stellt sich dagegen, aber die sind sehr stark unter Druck, da alle andern an den Forderungen halten…

Informationen zu PIWI-Sorten gibt es unter www.piwi-international.org

(Quelle: Martin Buser, 10. Juli 2014)


Wir arbeiten an einem Relaunch von weinlandschweiz.ch. Deshalb greifen wir nicht mehr in die aktuelle Programmierung ein, sondern werden die Bezeichnung pilzwiderstandsfähige Sorten in der neuen Datenbank berücksichtigen.


Sprachregelung


Die Schriftlegung um Rebsorten und Wein ist verwirrend. Auf weinlandschweiz ist das Problem wie folgt gelöst:

  • Die Rebe ist weiblich, ebenso die Sorte. Deshalb wird zur Bezeichnung der Rebsorte der weibliche Artikel verwendet: Die Pinot Noir, die Chasselas und die Merlot.
  • Der Wein ist männlich. So bezeichnet der männliche Artikel vor einer Rebsorte den daraus gekelterten Wein: Der Pinot Noir, der Chasselas und der Merlot wird im Barrique ausgebaut.
  • Verwirrend ist auch das Spiel der Farben: Weisse (Weissburgunder), gelbe (Gelber Muskateller), graue (Grauburgunder) und rote Trauben (Rotgipfler) ergeben einen Weisswein. Die Trauben für Rotwein hingegen sind, mit einigen Ausnahmen, alle blau (Blauburgunder) oder schwarz (Pinot Noir).
  • Die Farbbezeichnung einer Rebsorte gehört wie der Vorname zum Namen. Deshalb werden beide Wörter gross geschrieben: Sauvignon Blanc, Pinot Noir, usw.