2018-10-10

2018 – Das Weinjahr

Wetterkapriolen

7. Mai – Milder und trockener Frühling stimmt Winzer zuversichtlich
Dank idealer Bedingungen treiben die Reben in der Region Luzern aussergewöhnlich gut. Nach dem harten letzten Jahr ist das Balsam für die Seele der Winzer – ihrem Glück vertrauen sie trotzdem noch nicht ganz.

Der späte Lohn? Oder ausgleichende Gerechtigkeit? Nach einem schwierigen Jahr 2017 werfen die Luzerner Winzer diesen Frühling mit Superlativen um sich: «Es ist wunderbar. Die Reben treiben explosionsartig, gar bombastisch», sagt zum Beispiel Reto Vonarburg (40), Inhaber des Weinguts am Tannberg in Schenkon. Grund für Vonarburgs Enthusiasmus sind die optimalen Wetterbedingungen. Es ist trocken und warm, ein Wetter, wie es die Reben lieben. «Die Vegetation ist heuer um etwa zwei Wochen voraus», sagt Beat Felder, Weinbauexperte vom Berufs- und Bildungszentrum Natur und Ernährung in Hohenrain. Welten, im Vergleich zum Vorjahr.

Denn damals starteten die Winzer zwar gut in die Saison, wurden mitten in einem warmen Frühling aber arg zurückgebunden: Ende April hielt eine Kältewelle die Schweiz im eisigen Griff. Viele Reben hatten zu diesem Zeitpunkt schon getrieben, was ihnen zum Verhängnis wurde. Die Ernteausfälle waren enorm, 90 Prozent der jungen Triebe starben ab. Der Start in die Saison fiel verhalten aus Das wirkte sich markant auf die Endabrechnung aus: 2017 fuhren die Winzer 245 Tonnen Trauben ein – nur etwa 60 Prozent dessen, was sie im Jahr zuvor ernten konnten.

Verhaltener Start in die Saison
Doch nun sind die Winzer optimistisch. «Wir sind sehr zufrieden. Alles ist so, wie es sein muss. Das Arbeiten macht einfach nur Spass», sagt Karl Sigrist vom Weingut Letten in Meggen. Interessant: Anfang Jahr zeigen die Zeichen noch in eine andere Richtung. Der Januar ist so warm, dass die Weinbauern besorgt sind, die Vegetation komme zu früh ins Rollen. Sie befürchten ein ähnliches Szenario wie im Vorjahr. Dann jedoch kommen der Februar und März – und damit die Kälte. Anders als vor Jahresfrist aber zu einem optimalen Zeitpunkt. Denn die tiefen Temperaturen verhindern ein zu frühes Austreiben, die Reben verharren im Wintermodus. Als dann der Frühling Einzug hält, «sind diese bestens erholt, vorbereitet und parat, rasch zu treiben», erklärt Felder. Obwohl bis jetzt alles wie am Schnürchen läuft, die Winzer zufrieden sind wie selten, bleiben sie realistisch: «Wir sind nicht über den Berg. Noch kann viel passieren», sagt Reto Vonarburg. Die Eisheiligen vom 12. bis 15. Mai markieren für die Weinbauern einen wichtigen Punkt im Jahreskalender. Bis zu Pankratius, Servatius, Bonifatius und der kalten Sophie hängt der Frost über den Weinbauern wie das Schwert des Damokles.

Prognosen sind erst im Juni möglich
So jedenfalls war es bis anhin. Eine Regel, die man gemäss Weinexperten Felder getrost revidieren könnte: «Ich beschäftige mich seit 30 Jahren mit dem Weinbau in der Zentralschweiz. In dieser Zeit hat sich aufgrund des Klimawandels die kritische Zeit für Frostschäden zwei Wochen vorverlagert.» Kritisch sei es zwischen 20. und 30. April, danach könne man aufatmen – jedenfalls, was den Frost angeht. Denn auch Regen und Hagelschlag sind die erklärten Feinde von Trauben, Reben und Winzern. Deshalb lässt sich auch nicht vorhersagen, wie das Weinjahr 2018 ausfällt. Erste Prognosen könne man anstellen, sobald die Reben blühen, sagt Felder: «Das dürfte dieses Jahr etwa Anfang Juni der Fall sein.» Für die Winzer ist derweil klar, dass sie sich im Moment zwar freuen können, ihnen aber auch noch viel Arbeit ins Haus steht.

(Quelle: Kilian Küttel, Luzernerzeitung)

30.Mai – Sturmschäden im Kanton Aargau vernichten Weinberge
«Nach dem starken Hagelschlag sind die Erdbeerpflanzen komplett vernichtet. Die Erdbeersaison 2018 ist abgeschlossen.» Diese Sätze aus dem Anrufbeantworter hört man, wenn man bei einem Hofladen in Ehrendingen anruft. Der Hagelsturm vom Mittwoch hat im Bezirk Baden verheerende Spuren hinterlassen. Nach den Frostschäden vom vergangenen Jahr ist es für die Erdbeer- und Weinbauern der nächste Rückschlag.

Als dramatisch schätzt auch Michael Wetzel vom Weingut Goldwand in Ennetbaden die Situation ein. «Obwohl das Ausmass der Schäden am Rebberg noch nicht abzusehen ist, ist klar, dass wir mit einer stark reduzierten Ernte rechnen müssen.» Er habe an den Trieben viele verletzte oder abgeschlagene Blätter festgestellt. «Das Laub wird nachwachsen, doch bei den beschädigten Trauben sind die Chancen geringer, dass sie erhalten bleiben», bedauert Wetzel. Jammern wolle er deswegen nicht. Er schöpfe Hoffnung daraus, dass die Trauben im Gegensatz zu früheren Jahren überaus früh blühen. Dadurch sei es gut möglich, dass sich die Pflanzen wieder erholen.

Man habe sehr viel Glück gehabt, sagt Christian Steimer von Steimer Weinbau in Wettingen. «Grössere Hagelkörner sind uns erspart geblieben.» Im Gegensatz zu anderen Rebbergen in der Region, von denen er Bilder gesehen habe. «Bei dem Anblick ist es mir eiskalt den Rücken hinuntergelaufen.» Weil sich Unwetter über der Lägern in der Regel teilen, bleibe Wettingen oft von Hagel verschont. Dennoch stellt Steimer fest: «Einen solchen Sturm habe ich hier noch nie erlebt.»

Hagelstürme würden in den nächsten Jahren zur Normalität gehören. Doch welche Möglichkeit haben Bauern, um sich dagegen zu schützen? Nebst Hagelversicherungen setzen einige Betriebe auf Abfangnetze. Diese haben den Vorteil, dass sie nicht nur Hagel abhalten, sondern auch Regentropfen zerstäuben lassen.

Beim Weingut Goldwand hat man sich schon überlegt, Netze einzuführen. Michael Wetzel hat aber auch Vorbehalte: «Um einen ganzen Rebberg abzudecken, muss viel Geld investiert werden.» Einen ganzheitlichen Schutz gebe es ohnehin nicht, ergänzt Christian Steimer. «Man ist der Natur zu grossen Teilen einfach ausgeliefert.»

(Quelle: Südkurier) 

8. August – Eine der extremsten Hitzewellen seit Messbeginn
Nördlich der Alpen erlebt die Schweiz regional die dritt oder viert intensivste zehntägige Hitzewelle. Auf der Alpensüdseite erstreckt sich diese sogar über 16 Tage.
Gemäss dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz endet die Hitzeperiode mit Tageshöchstwerten von über 30 Grad am 8. August. Regional zählt die Hitzewelle zur dritt oder viert intensivsten Zehntages-Hitzewelle seit Messbeginn 1935. In den tiefen Lagen der Alpennordseite betrug die mittlere Maximum-Temperatur 32 bis 34 Grad.
Auf der Alpensüdseite stieg die Tagesmaximum-Temperatur schon ab dem 22. Juli regelmässig auf über 30 Grad an. Auch zeige sich dort laut Mitteilung eine auffallende Häufung von Tropennächten, was neben der Temperaturzunahme ein weiteres Signal des Klimawandels sei, schreibt Meteo Schweiz weiter. Während einer Tropennacht sinkt die Temperatur nicht unter 20 Grad.  

(Quelle: lid) 

24. August – Auf 10’000 Blitze folgt die Kaltfront
Nach dem Gewitter in der Nacht macht der Sommer nun Pause. Das Gewitter am Donnerstagabend, 23. August, hat die Schweiz heftig getroffen. Seit gestern Nachmittag wurden gemäss SRF Meteo knapp 10’000 Blitze registriert. Die kräftigste Böe wurde mit 91 km/h in Zürich Affoltern gemessen. Stark betroffen war das ganze Mittelland. Am vergangenen Wochenende hat die Schweiz erneut bei Temperaturen von 30 Grad geschwitzt. Zum achten Mal in Folge stieg das Thermometer auf diese hochsommerliche Marke. Ein Wochenende ohne Sommerhitze gab es letztmals am 23./24. Juni. 

(Quelle: SRF Meteo)

 


 

 

Bilanz der Ernte 2018

(Bild: Dienststelle Landwirtschaft und Wald Kt. LU)

04. Dezember – Luzern: Winzer fahren Rekordernte ein
Die Luzerner Winzer haben heuer gleich in mehrfacher Hinsicht eine Rekordernte eingefahren: Die Menge, der Ertrag pro Fläche und die Zuckergehalte seien seit Einführung der Weinlesekontrolle im Jahre 1981 noch nie so hoch gewesen, meldet die Dienststelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern.
Mit 574 Tonnen Ernte wurden der bisherige Höchstwert von 373 Tonnen aus dem Jahre 2016 weit übertroffen. Der Anteil weisser Trauben ist mit 328 Tonnen höher als jener der roten Trauben (245 Tonnen). 95 Prozent der Menge wird zu Weinen mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung "AOC Luzern" verarbeitet. Der Rest ergibt Schweizer Landwein.
Das niederschlagsarme, sonnige und warme Wetter von Mitte April bis zum Ende der Ernte sei ideal gewesen, heisst es weiter. Krankheiten und Schädlinge hätten kaum Probleme bereitet, so dass die Winzer weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen mussten.
Beim Blauburgunder wurden im Durchschnitt 101 Grad Öchsle (Vorjahr: 92), beim Riesling-Silvaner 81 Grad (Vorjahr: 76) gemessen. Den höchsten Wert erreichte die robuste Frühsorte Solaris mit 103 Grad Oechsle. Über der Grenze von 100 Grad Oechsle blieben beispielsweise auch Merlot und Diolinoir. Die gemessenen Zuckergehalte sind auf dem Niveau des Ausnahmejahres 2003.
Da viel Menge gleichzeitig anfiel, sei es zuweilen schwierig gewesen, diese zeitig zu verarbeiten, heisst es weiter. Die Winzer mussten Erntegebinde und Tanks anschaffen, zum Teil auch neue Räume zur Kelterung beziehen. Das Rebjahr 2018 habe gezeigt, dass die Kapazitäten in den Keltereien erhöht und die Infrastruktur an die neuen Mengen angepasst werden müssten, so die Dienststelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern.


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International

13. Juli 2018 – Österreich: Reife heuer extrem weit fortgeschritten
Wir können es selbst fast nicht glauben, aber der St. Laurent färbt sich bereits jetzt rot!!! In normalen Jahren ist dies Mitte August der Fall. Wir rechnen also mit einer frühen Lese. Drücken wir mal die Daumen, dass alles so schön weiter verläuft und es dann bei der Lese nicht zu warm ist.
(Quelle: Newsletter Heidemaire Fischer, Weingut Pfaffl)

06. Juli 2018 – Deutschland: Frühe Weinlese erwartet
Nach einem warmen Frühling und dem stabilen Hochsommer erwarten Fachleute dieses Jahr eine ganz besonders frühe Weinlese. Die Reben sind in ihrer Reifeentwicklung etwa zwei bis drei Wochen früher als sonst.
Alle 13 Regionen - von Saale-Unstrut bis Baden - berichten von einem frühen Reifestand der Trauben. Daher ist davon auszugehen, dass die Lese für den neuen Wein, den Federweißen, bereits Mitte August startet. Ausschlaggebend dafür war in erster Linie der wärmste April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, der zu einer zwei Wochen verfrühten Blüte führte. Hohe Temperaturen und eine lange Sonnenscheindauer im Sommer haben die weitere Reifeentwicklung dann zusätzlich beschleunigt. Zur Zeit leiden die Reben auch noch nicht unter der Trockenheit, bislang sind Behang wie Gesundheitszustand gut. Durch bis zu zwölf Meter tiefe Wurzeln erreichen die Rebstöcke noch Wasserreserven, lediglich jüngere Planzen könnten unter Trockenstress leiden. Insofern wäre den Weinerzeugern Niederschlag durchaus willkommen - sofern er nicht mit Starkregen und Hagel einhergeht. Darüber hinaus hoffen die Winzer, dass es im August nicht zu nass und kühl wird.
Einen ähnlich großen Entwicklungsvorsprung der Reben gab es zuletzt 2011 und 2007.
(Quelle: Tageskarte)