2019-09-09

Wein im Glas und in der Wurst

«Bis jetzt haben wir ein gutes Jahr», sagt Hanspeter Brugger, Präsident des Weinbauvereins Auenstein. Noch sei alles unter Kontrolle; auch die Essigfliege habe den Weg noch nicht in die Auensteiner Rebberge gefunden. In Auenstein werden die Reben nach den Richtlinien der Integrierten Produktion gepflegt. Das heisst: biologische Schädlingsbekämpfung mit minimalem Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln. Und schon bald können die ersten Früchte geerntet werden. «Ab Mitte September Riesling-Sylvaner», sagt Brugger.

Der Verein ist keine Weinbaugenossenschaft von Produzenten, obwohl solche auch dabei sind. «Man muss Freude haben an der Auensteiner Rebkultur und bereit sein, mitzuarbeiten», sagt Hanspeter Brugger.

Mittagessen mit sieben Auensteiner Weinen
Wenn der Verein wie heuer zum Weinfest lädt, ist genau diese Mitarbeit gefragt, auch beim Service des Spezialmittagessens «Wurst und Wein» gestern Mittag. Zu einem Dreigangmenu wurden sieben Auensteiner Weine gereicht und von Spezialisten kommentiert. «Die Wurst ist eine Bratwurst, mehrheitlich vom Schwein und mit Wein drin», sagt Brugger. Man spüre den Wein, doch der Alkohol sei weg. Also eine jugendfreie Wurst aus der Metzgerei Schnyder in Wildegg.

9,5 Hektaren Wein werden angebaut
Rund 80 Mitglieder zählt der Verein, darunter sind Angehörige von etwa zehn Rebbaufamilien. Neben den Profis aus Auenstein (Clemen), Küttigen (Wehrli) und Rüfenach (Schwarz) sind viele Hobbywinzer dabei. «Der kleinste Winzer bewirtschaftet 25 Aren, der grösste drei Hektaren», so Brugger. Im Ganzen wird auf 9,5 Hektaren Wein angebaut, wobei ein Teil zurzeit neu bepflanzt wird.

Die Mitglieder des Vereins sind auch bei der Traubenlese gerne gesehene Helfer. «Etwa zwei Drittel der Vereinsmitglieder helfen bei der Ernte; bei Arbeiten während des Jahres sind es etwa ein Drittel», schätzt der Präsident, der selber einen Teil eines Familienweinbergs bewirtschaftet.

Um Qualitätsweine herzustellen, setzt man bei der Traubenmenge nicht auf Quantität: Je nach Sorte lässt man 600 bis 1200 Gramm Trauben pro Quadratmeter am Stock. «Aus einem Kilo Trauben gibts etwa eine 7,5-dl-Flasche, somit etwa 70 000 Flaschen pro Jahr, wobei ein Teil in Halbliterflaschen zu den Kunden gelangt.» Und diese kommen auf unterschiedlichen Wegen unter die Weinliebhaber. Die grossen Weinbauern und Genossenschaften haben ihre eigenen Läden oder Hofläden und Absatzkanäle, derweil Hobbywinzer auch über die Gasse verkaufen und manchmal schnell «ausgeschossen» sind. Auch übers Internet erhält man Auensteiner Weine, ebenso in einigen Restaurants.

In Auenstein wird etwa doppelt so viel Weisswein wie Rotwein produziert. Die herkömmlichen Sorten sind beim Weisswein Riesling-Sylvaner, beim Rotwein Blauburgunder (Pinot Noir).

Klimawandel verändert Weinlandschaft
Der Klimawandel, so Hanspeter Brugger, habe auch in Auenstein Einfluss auf den Weinbau. So gebe es kaum mehr tiefe Frosttemperaturen im Winter, bloss noch Frosttage im Frühling. Und die heissen und längeren Sommer brächten mehr Öchslegrade (Zuckergehalt), also Alkohol in den Wein. Das hat auch die Palette der Traubensorten erweitert: Chardonnay, Sauvignon Blanc, Malbec, Cabernet. «Man beginnt auch mehr auf pilzwiderstandfähige Sorten zu setzen», sagt Brugger.

Der Verein will mit seinen Aktivitäten auch «das Bewusstsein für den einheimischen Wein stärken». Am zweitägigen Weinfest vom Wochenende ernteten die Auensteiner Weine aus dem letzten und dem vorletzten Jahr Komplimente. Auch die Gastweine aus Auenstein Deutschland, einem Winzerdorf zwischen Stuttgart und Heilbronn, das seit rund 15 Jahren am Weinfest im Aargauer Rebbaudorf mit 1600 Einwohnern teilnimmt.

(Quelle: Aargauer Zeitung, Peter Weingartner)


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