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Cornalin

Herkunft

Die Rebe ist eine natürliche Kreuzung zwischen den zwei im italienischen Aostatal heimischen Sorten Mayolet und Petit Rouge. Aus dem Valle d´Aoste gelangte die Sorte dann ins Wallis. Hier gilt die Cornalin als Schmuckstück des Walliser Erbes und kann sich rühmen, eine der ältesten im Wallis angebauten Rebsorten zu sein. Daraus wird der dunkle und würzige Rotwein «Vieux Rouge du Pays» oder «Alter Landroter» gekeltert.

Das Wallis und die italienische Region Valle d’Aoste bilden eine Insel. Durch die geographische Isolation sind viele Rebsorten verwandtschaftlich verflechtet. So wird die blaue Rebsorte mit dem Namen Cornalin in der Schweiz und in Italien kultiviert. Es wurde davon ausgegangen, dass es sich um zwei verwandte, aber doch eigenständige Rebsorten handelt.

Im Jahr 2003 konnte der Schweizer Biologe Dr. José F. Vouillamoz mittels DNA-Analysen nachweisen, dass die Walliser Cornalin aus den Sorten Mayolet und Petit Rouge hervorgegangen ist. Damit wurde endgültig klar, dass die Cornalin aus dem Wallis und die Cornalin aus dem Aostatal zwei verschiedene Rebsorten sind. Er hat deshalb die folgenden Namen vorgeschlagen: Cornalin du Valais und Cornalin d’Aoste.  Die Cornalin im Aostatal und die Humagne Rouge im Wallis sind identisch.

Ein Erbgutschutz für die Cornalin-Rebe besteht seit 1993. Die drei Partner Société des pépiniéristes viticulteurs valaisans, das Kantonale Weinbauamt in Sion und die Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil (ACW) legten eine Sammlung von ca. 100 Klonen der Cornalin an.

Die Cornalin gehört zu einer Familie von Rebsorten, die sich in der geographischen Insellage der Alpenregionen Italiens und des Wallis in der Schweiz halten konnten. Zur dieser Familie gehören die Sorten Bonda, Completer, Cornalin d'Aoste, Cornalin du Valais, Crovassa, Durize, Eyholzer, Fumin, Goron de Bovernier, Himbertscha, Humagne Blanche, Lafnetscha, Ner d’Ala, Mayolet, Petite Arvine, Petit Rouge, Planscher, Premetta (Prié Rouge), Prié Blanc, Rèze, Roussin, Roussin de Morgex Vien de Nus und Vuillermin.
Die Sorte ähnelt der ebenfalls im Wallis kultivierten Humagne Rouge.


Verbreitung

Die Cornalin ist eine autochthone Sorte des schweizerisch - italienischen Alpenraums. Sie wird vorwiegend im Kanton Wallis, um Fully und Martigny, in der Waadtländer Region Chablais sowie im italienischen Aostatal angebaut.


Eigenschaften

Die Cornalin-Rebe geizt mit ihrer Frucht, fordert die besten Plätze an der Sonne, reift sehr spät und ist launisch. Mit ihren wechselhaften Erträgen und der Anfälligkeit auf Magnesiummangel und Traubenfäule hat sie Generationen von Weinbauern entmutigt. Den Kenner hingegen vermag sie zu begeistern. Noch ist sie sehr rar. Doch die Cornalin Rebe verdankt ihre Rückkehr auf die Bühne der grossen Weine ihrer Aristokratie.

18 der Klone werden zurzeit ausgiebig getestet und weitergezüchtet, um die angesprochenen Mängel abzuschwächen.


Weintyp

Die Cornalin Rebe weckt den Enthusiasmus vieler Weinkenner. Sie bringt fruchtige Weine mit feinem Bukett und kräftiger dunkelroter Farbe mit violetten Reflexen. Sie sind wegen ihres leicht rustikalen Charakters ideale Begleiter von Wildgerichten. Zwar wirkt der Wein in seiner Jugend etwas ungestüm, entwickelt mit dem Alter jedoch eine unglaubliche Finesse.


Synonyme

Alter Landroter, Broblanc, Corniola, Vieux Rouge du Pays
Die Rebe war auch Kreuzungs-Partner bei den Sorten Goron de Bovernier und Roussin.


NZZ Folio 09/95

Der Cornalin - önologische Charakterstudie

Von Andreas Heller

Die wohl treffendste Beschreibung stammt von keinem geringeren als von Jan Sibelius. In diesem Wein, meinte der finnische Komponist, als er im Wallis vom Roten gekostete hatte, liege die ganze Fruchtbarkeit des Mittelmeerraums, aber auch der eisige Windhauch der Gletscher und der Geruch alpiner Erde.

Gemeint war damit nicht etwa der Dôle oder der Gamay, die heute im Wallis populären Rotweine. Es war bloss der damals übliche Landwein, der Landrote, der Rouge du Pays oder Cornalin, der den Gast aus dem hohen Norden zur poetischen Schwärmerei beflügelte; es war der Wein, der damals im Wallis gang und gäbe war und den es nur hier zu kosten gab: die lokale Spezialität.

Der Ursprung dieser Traubensorte ist noch heute ungeklärt. Fest steht allein, dass der Cornalin als traditionsreichste Traubensorte des Wallis gilt. Bereits 1313 erstmals erwähnt, ist sie über Jahrhunderte selbst Teil dieser Landschaft geworden. Die brennende Walliser Sonne! Der kalkhaltige Boden! Sie sind offensichtlich das Lebenselixier dieser höchst anspruchsvollen Sorte, die nur an besten Lagen und in guten Jahren wirklich gedeiht.

Die späte Reife (bis 25 Tage nach dem Chasselas) und schwankende Erträge bewogen in diesem Jahrhundert die auf mehr Erträge erpichten Walliser Winzer, den Cornalin mehr und mehr durch pflegeleichtere und üppig spriessendere Sorten zu ersetzen. Und so kam es, dass der alte Landrote in den sechziger Jahren beinahe ausgestorben war. Heute erlebt er eine Renaissance - zu Recht. Denn kein anderer Walliser Rotwein hat mehr Charakter: Kräftig, üppig und doch voller Finessen, bietet der Cornalin alles, was zu einem grossen Wein gehört.

Der Landwein von früher gilt heute als besonders edler Wein, der keinesfalls bereits in der Jugend gemordet werden sollte. Der Cornalin bedarf der Sammlung im Keller während mindestens dreier Jahre; er bedarf der Geduld. So wie es früher beim Wein eben üblich war.